Ich still, wo ich will – Ein Fotoprojekt über Stillen in der Öffentlichkeit in Celle

Stillen ist etwas Natürliches. Etwas Alltägliches. Und trotzdem sorgt es auch heute noch für Diskussionen, sobald eine Mutter ihr Baby nicht zu Hause, sondern mitten im öffentlichen Leben stillt.

Genau hier setzt das Projekt „Ich still, wo ich will“ in Celle an.

Initiiert wurde die Aktion vom Cellermamawalk. Als ich gefragt wurde, ob ich das Projekt fotografisch begleiten möchte, musste ich nicht lange überlegen. Denn manchmal kann Fotografie mehr sein als die Erinnerung an einen schönen Moment. Sie kann sichtbar machen, zum Nachdenken anregen und vielleicht sogar ein kleines bisschen dazu beitragen, etwas zu verändern.

Stillen gehört zum Leben

Ein Baby entscheidet nicht nach Ort oder Uhrzeit, wann es Hunger hat. Es spielt keine Rolle, ob seine Mama gerade zu Hause auf dem Sofa sitzt, durch die Celler Innenstadt läuft oder in einem Café einen Kaffee trinkt.

Und eigentlich sollte es genauso selbstverständlich sein, ein hungriges Baby zu stillen.

Mit den Bildern wollten wir deshalb keine inszenierte Gegenwelt schaffen. Ganz im Gegenteil.

Die Mütter sitzen mit ihren Babys mitten im öffentlichen Raum. Um sie herum geht das Leben weiter. Menschen laufen vorbei, die Stadt bewegt sich, der Alltag nimmt seinen Lauf.

Die stillende Mama bleibt dabei der ruhende Mittelpunkt.

Genau dieser Kontrast war die fotografische Idee hinter der Serie.

Mitten im Celler Stadtleben

Für die Aufnahmen haben wir bewusst öffentliche Orte in Celle gewählt.

Durch lange Belichtungszeiten verschwimmen vorbeigehende Menschen und Bewegungen im Hintergrund. Die Mütter und ihre Babys bleiben dagegen sichtbar und präsent.

Denn genau dort gehören sie hin: mitten ins Leben und nicht versteckt an dessen Rand.

Beim ersten Termin zeigte sich Celle allerdings von seiner ziemlich ungemütlichen Seite. Regen, Wind und alles andere als perfektes Fotowetter begleiteten uns.

Umso beeindruckender war für mich, dass fast alle angemeldeten Frauen trotzdem gekommen sind.

Beim zweiten Termin führte uns das Projekt erneut in die Celler Innenstadt. Unter anderem entstanden Bilder im und rund um den Coffee Shop in Celle. Dort wurden die Mamas nicht nur herzlich willkommen geheißen, sondern ganz selbstverständlich als das behandelt, was sie sind: Gäste mit ihren Babys.

Und genau diese Selbstverständlichkeit wünsche ich mir an viel mehr Orten.

Wenn aus einigen Fotos plötzlich ein großes Thema wird

Was als lokale Fotoaktion begann, hat innerhalb kürzester Zeit unglaublich viele Menschen erreicht.

Die Bilder und Videos wurden in den sozialen Medien tausendfach angesehen, geteilt und kommentiert. Neben sehr viel Zuspruch gab es dabei auch kritische Stimmen.

Vielleicht zeigt gerade das, warum Projekte wie dieses noch immer wichtig sind.

Denn solange öffentliches Stillen überhaupt als etwas Besonderes wahrgenommen wird, lohnt es sich, darüber zu sprechen.

Auch die regionale Presse wurde auf die Aktion aufmerksam. Sowohl die Cellesche Zeitung als auch der NDR Niedersachsen berichteten über das Projekt und trugen dazu bei, das Thema über Social Media hinaus sichtbar zu machen.

Darüber freue ich mich besonders. Denn je mehr Menschen darüber sprechen, desto selbstverständlicher kann öffentliches Stillen irgendwann werden.

Danke an all die mutigen Mamas

Mein größter Dank gilt den Frauen, die sich mit ihren Babys vor meine Kamera gesetzt haben.

Ihr habt euch sichtbar gemacht.

Nicht, weil Stillen etwas Provokantes sein sollte. Sondern gerade deshalb, weil es das nicht ist.

Danke für euer Vertrauen, eure Offenheit und dafür, dass ihr Teil dieses Projekts geworden seid.

Mein Dank gilt außerdem dem Cellermamawalk für die Initiative und Organisation der Aktion, allen Unterstützerinnen und Unterstützern sowie den stillfreundlichen Orten in Celle, die Familien mit Babys ganz selbstverständlich willkommen heißen.

Und natürlich danke ich auch der Celleschen Zeitung und dem NDR Niedersachsen dafür, dass sie dem Thema Raum gegeben und über unsere Aktion berichtet haben.

Stillfreundliche Orte in Celle gesucht

Dieses Projekt soll nicht mit den letzten Bildern enden.

Deshalb möchten wir auch sichtbar machen, wo Familien und stillende Mamas in Celle besonders willkommen sind.

Kennst du ein Café, Restaurant, Geschäft oder einen anderen Ort in Celle, an dem stillende Mütter ausdrücklich willkommen sind?

Dann erzähl uns davon.

Denn vielleicht entsteht aus vielen kleinen Zeichen der Unterstützung irgendwann genau das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte:

Eine Stadt, in der keine Mama darüber nachdenken muss, ob sie ihr hungriges Baby gerade stillen „darf“.

Stillen braucht keinen besonderen Ort.

Stillen braucht Akzeptanz.